Schwerer Tanklastzugunfall in Ober-Ofleiden

 


Am Mittwoch 16.10.1985 geriet gegen 13:00 Uhr ein 38-Tonnen-Lastzug in einer scharfen Rechtskurve im Ortsteil Ober-Ofleiden vermutlich wegen nicht angepasster Geschwindigkeit außer Kontrolle, fuhr auf die Gegenfahrbahn und den Gehweg und stürzte, nachdem er gegen einen Betonmast geprallt war, in eine Wiese. Das Fahrzeug blieb ca. 10 Meter von einem Haus entfernt liegen, die Wiese war nur ca. 30 Meter von der vorbeifließenden Ohm entfernt.

Der verletzte Fahrer war in seinem schwer beschädigten Führerhaus eingeklemmt und konnte nach erster Erkundung nur mit Hilfe eines Kranwagens befreit werden. An den Tankkammern konnten, soweit sichtbar, keine Lecks und auch keine austretenden Flüssigkeiten festgestellt werden. Über die Leitstelle Alsfeld wurde versucht, einen geeigneten Kran an die Einsatzstelle zu bekommen. Es stand aber keiner zur Verfügung, darum wurde ein Bergepanzer der Bundeswehr in Stadtallendorf (Entfernung ca. 15 km) angefordert. Als dieser eintraf war es den Helfern der Feuerwehr Homberg, darunter ein Homberger Kfz-Meister mit einem seiner Mitarbeiter, inzwischen gelungen, den Fahrer zu befreien. Die Rettungsarbeiten gestalteten sich schwierig, da aus dem auf der Seite liegenden Fahrerhaus die Sitze entfernt und an der Unterseite des Fahrzeuges Schrauben mit einem Trennschleifer abgetrennt werden mussten. Während der gesamten Rettungsaktion wurde der Verletzte von einem Arzt versorgt. Der befreite Fahrer wurde in die Klinik Marburg eingeliefert.

Nach durchsicht der Ladepapiere und Befragung des Fahrers stellte sich heraus, dass eine der drei Tankkammern leer, eine Kammer mit einem Flüssigharz und die andere mit Phosphorsäure gefüllt war. Bei Phosphorsäure handelt es sich um eine anorganische, nicht brennbare, mit Wasser mischbare Säure, deren Hauptgefahr neben der stark Ätzenden Wirkung in der Gefährdung des Grundwassers besteht. Ätzende Dämpfe treten erst ab ca. 80°C auf. Aufgrund dieser Tatsache wurde die Unfallstelle weiträumig abgesperrt, um die in großer Anzahl anwesenden Schaulustigen vom Tanklastzug fernzuhalten. Der Brandschutz wurde mit Hilfe eines Schaumrohres sichergestellt. Nach eintreffen eines Ersatz-Tankzuges wurde die Ladung umgepumpt und das Fahrzeug mit Hilfe eines inzwischen eingetroffenen Kranwagens aufgerichtet. Der Bergepanzer wurde nicht mehr eingesetzt. Neben Bürgermeister Seitz, informierte sich auch Kreisbrandinspektor Alt an der Einsatzstelle über die durchgeführten Maßnahmen.

Kurz nach 15:00 Uhr musste die Homberger Wehr die Einsatzstelle verlassen, um bei einem weiteren LKW-Unfall, der sich zwischen Homberg und Büßfeld ereignet hatte, tätig zu werden. Ein mit Holzspänen beladener LKW war aus Richtung Homberg kommend in den Graben gerutscht und gegen eine Böschung gekippt, wobei der Tank zusammen gedrückt wurde und Kraftstoff auslief. Der Diesel wurde mit Hilfe von Gerätschaften aus dem Ö–SA aufgefangen, bzw. aus dem Graben geschöpft.

Die Ortsdurchfahrt Ober-Ofleiden war während der gesamten Einsatzdauer (6,5 Stunden) für jeglichen Verkehr gesperrt. Um 22:00 Uhr waren beide Einsätze beendet und die Feuerwehr wieder eingerückt. Dass die Kammern des Tankzuges unbeschädigt blieben, erwies sich als glücklicher Umstand, denn bei einem Auslaufen der Phosphorsäure wäre die Ausrüstung der Stützpunktfeuerwehr Homberg auf keinen Fall ausreichend gewesen. Im gesamten westlichen Teil des Vogelsbergkreises wäre keine entsprechende Chemieschutzausrüstung vorhanden. Kräfte:

Im Einsatz waren:

Fahrzeuge
Nd-Ofleiden

 

Fahrzeuge
Homberg/Ohm

 

Feuerwehr
Ob.-Ofleiden

Einsatzkräfte:

1:32